Mit Passion bin ich immer besser als die Maschine. Sobald ich weiß, wofür ich etwas mache, mache ich es gerne.
Luitgard Hagl Saatchi & Saatchi Germany
Der KI-Wandel verunsichert die Medien- und Kommunikationsbranche tiefgreifend. Tools verändern sich rasant, Rollen verschwimmen und Erwartungen steigen. Doch wie stellen sich Medienhäuser, Agenturen und Unternehmen zukunftssicher auf? Unser Online-Format „Future Readiness Kommunikation und Marketing“ zeigt: Technologie allein bringt keine Qualität – es braucht einen klaren menschlichen Kompass, neue Skills, Mut zur Haltung und den Willen zum lebenslangen Lernen.
Am Anfang steht immer der Mensch. Ihr bleibt wichtig, weil ihr die Kreativen seid.
Insa Wiese Start Into Media
Das Mindset der Zukunft
Welche Skills die Branche braucht
In einer Arbeitswelt, die von KI-generierten Antworten überflutet wird, verschiebt sich der Wert menschlicher Arbeit. Wir brauchen nicht mehr Content, sondern mehr Einordnung, kritischen Geist und Haltung.
Die wichtigsten Future Skills im Überblick:
- Die richtigen Fragen stellen: Bevor wir die KI nach Lösungen fragen, müssen wir wissen: Warum sollte das Thema überhaupt jemanden interessieren?
- Eigenständiges Denken & Urteilskraft: Die Ergebnisse von Algorithmen nicht ungeprüft übernehmen, sondern kritisch hinterfragen und bewerten.
- Umgang mit Unsicherheit & Fakes: In einer Realität, in der Täuschung und KI-Massencontent zunehmen, braucht es Schärfe für Fakten, Transparenz und Verlässlichkeit.
- Lernkompetenz & Neugier: Offenheit für neue Technologien bei zeitgleicher Wahrung des eigenen Wertsystems.
- Führungskompetenz auf allen Ebenen: Jede:r Mitarbeiter:in hat das Recht auf gute Führung – und muss lernen, gute Führung zu erkennen, einzufordern und Vorgesetzte aktiv mitzugestalten.
- Resilienz & Wertekompetenz: Psychologische Sicherheit im Team aufbauen und den eigenen inneren Kompass stärken.
Vorgesetzte lernen heute nicht mehr nur aus Büchern, sondern von den jungen Menschen in ihren Teams.
Alexander Zeitelhack TH Nürnberg
Patrizia Fauster (Team Lewis)
Wer denkt hier eigentlich?
KI ist längst festes Teammitglied für Routineaufgaben. Doch reine Effizienz birgt Gefahren: Wenn wir Ergebnisse nur noch abnicken, anstatt Konzepte tief zu durchdenken, drohen wir zu „intellektuellen Touristen unserer eigenen Arbeit“ zu werden.
- Zentraler Insight: Gute Kommunikation basiert auf Haltung statt nur Output, Relevanz statt nur Reichweite und Menschen statt nur Zielgruppen.
- Future Skill: Richtig Fragen ist wichtiger als technisch perfektes Prompting.
Wir werden zu intellektuellen Touristen unserer eigenen Arbeit, wenn wir Ideen nur besuchen, statt sie zu bewohnen.
Patricia Fauster TEAM LEWIS
Frank Zapototschny (Media Lab Bayern)
The SEOcret Life of GEO
Die Suche verändert sich von SERPs zu KI-Antworten (ChatGPT, Google AI Overviews). Wer jedoch denkt, SEO sei tot, irrt: GEO ist die Fortführung von gutem SEO.
- Zentraler Insight: KI vertraut nicht der Eigenwerbung auf eurer Website, sondern zu 85 % externen Quellen (Fachmedien, Vergleiche, Digital PR).
- Warnung: Massenhaft generierter KI-Content ohne eigenen Nutzwert („Scaled Content Abuse“) wird von Suchsystemen abgestraft.
Wer gutes SEO macht, macht auch gutes GEO. Nicht die KI ist das Problem, sondern der massenhafte Einsatz austauschbarer Texte.
Frank Zapototschny Media Lab Bayern
Heike Dzaack-Crostewitz (DramaCare)
Kopf voll. Zukunft offen — Resilienz und Selbstwirksamkeit in Zeiten von KI und Veränderung
Die KI-getriebene Variantenflut erzeugt eine neue Form von kognitiver Erschöpfung. Die Arbeit verschiebt sich vom Erstellen zum Auswählen, Prüfen und Verantworten.
- Zentraler Insight: Resilienz bedeutet nicht, immer mehr auszuhalten, sondern den Reaktionsdruck zu senken und Handlungsspielraum zurückzugewinnen.
- Systemgedanke: Selbstfürsorge kann schlechte Unternehmensprozesse nicht kompensieren – Resilienz ist auch Organisationsdesign.
Offen heißt nicht nur bedrohlich – es heißt auch, dass die Zukunft noch nicht vollkommen entschieden ist.
Heike Dzaack-Crostewitz DramaCare
Julie Teßmann (SISTERHOOD)
KI ist nicht neutral. Und jetzt?
KI-Systeme basieren auf historischen Daten und sind voller Verzerrungen (Bias). Da der Großteil der KI-Modelle von wenigen demografischen Gruppen entwickelt wird, spiegeln sie deren Weltbild wider.
- Zentraler Insight: Standard-Prompts erzeugen Standard-Klischees (z. B. Erfolg = männlich & weiß; Frauen 50+ = gebrechlich).
- Future Skill: Kuratorische Intelligenz – die Fähigkeit, Tools, Inputs und Outputs bewusst auszuwählen, ethisch zu hinterfragen und zu steuern.
If you're not at the table, you're on the menu. KI-Modelle spiegeln die Ideologie ihrer Entwickler:innen wider – deshalb müssen wir als Korrektiv wirken.
Julie Teßmann SISTERHOOD
Hands-on-Empfehlungen für die Praxis
Wie gelingt der Transfer im Arbeitsalltag? Hier sind 5 konkrete Workflows und Strategien für Teams und Nachwuchskräfte:
Das „Fakt, Befürchtung oder offene Frage?“-Tool nutzen
Wenn Veränderungsdruck oder Zukunftsängste steigen, sortiert Gedanken im Team bewusst:
Fakt: Was ist nachweisbar eingetreten?
Befürchtung: Was ist eine Sorge, aber noch kein Fakt?
Offene Frage: Wo gibt es aktuell schlicht noch keine verlässliche Antwort?
Die 3P-Methode bei KI-Überforderung anwenden
Gegen die kognitive Müdigkeit durch Variantenflut und Prompt-Stress hilft ein klarer Stopp-Mechanismus:
Pause: Ausatmen, Blick vom Bildschirm lösen, kurz unterbrechen.
Prüfen: Was war meine ursprüngliche kreative Absicht? Was passt wirklich?
Priorisieren: Eine Idee wählen, den Rest loslassen und den nächsten kleinen Schritt gehen.
Faires Prompting & Kuratorische Intelligenz etablieren
Erzeugt keine Standard-Prompts! Vorgehensweise für Bild- und Textgenerierung:
Rollen konkret definieren: Tätigkeiten, Kontexte und Fachkompetenz aktiv zuweisen.
Diversität explizit vorgeben: Alter, Hauttöne, Körperformen und barrierefreie/natürliche Darstellungen im Prompt festlegen.
Human-in-the-Loop: Kein Output geht ohne menschliche Freigabe, Plausibilitäts- und Werteprüfung raus.
Digital PR vor KI-Massencontent stellen
Statt Hunderte austauschbare KI-Texte ins Netz zu blasen, investiert in zitierfähige Originalquellen (eigene kleine Mini-Studien, Branchen-Insights, Experte-Checklisten).
Baut Reputation über Fachmedien, LinkedIn, YouTube und Kundenrezensionen auf – denn KI-Systeme ziehen ihre Antworten zu 85 % aus unabhängigen Dritt-Quellen.
Fehlerkultur & Raum für Junior-Talente schaffen
Reverse Mentoring: Nachwuchskräfte bringen neue technische Perspektiven und digitale Routinen mit, von denen Führungskräfte direkt lernen können.
Soft Skills fördern: Zeit investieren, um junge Talente bei Kundenkommunikation, Haltung und Werteverständnis „über die Schulter schauen“ zu lassen.
Prozesse anpassen: KI-Tools nicht isoliert einführen – sondern Rollen, Entscheidungswege und Arbeitszeiten im Unternehmen gemeinsam neu definieren.
Damit man mutig sein und innovative Dinge ausprobieren kann, braucht es eine echte Fehlerkultur im Unternehmen.
Stephan Ifkovits OBSERVER
Heike Dzaack-Crostewitz
Gründerin, DramaCare
Patrizia Fauster
Campaign Director, TEAM LEWIS
Luitgard Hagl
Chief Creative Officer, Saatchi & Saatchi Germany
Stephan Ifkovits
Head of Marketing & Communications, Leiter OBSERVER Academy
Julie Teßmann
Expertin für digitale Automatisierung & KI-Managerin, SISTERHOOD Berlin
Frank Zapototschny
Senior Online Marketing Manager, Media Lab Bayern
Alexander Zeitelhack
Medienmanagement & Zukunftsforschung, TH Nürnberg - Georg-Simon-Ohm
Insa Wiese
Senior Partner- und Projektmanagerin
Zum Format
About Future Readiness
Unser Online-Format „Future Readiness“ nimmt den künftigen Kompetenzbedarf einzelner Medienbereiche in den Blick. In drei kompakten Stunden kommen Expert:innen und Teilnehmende zu Wort, um einen echten Austausch auf Augenhöhe in einem sicheren Rahmen zu ermöglichen.
Schau gerne in die vergangenen Events, um einen Einblick in unsere Learnings zu erhalten.