Darum ging es
Zentrale Inhalte
Gemeinsam mit Lukas Schöne vom MedienNetzwerk Bayern und Expert:innen (u. a. von Antenne Deutschland, bigFM, DASDING/SWR und dem Bayerischen Rundfunk) haben wir einen Blick in die Zukunft des Hörens geworfen:
- Mut statt Untergangsstimmung
- Future Skills Audio
- Hands-on Tipps
- Best Practices aus der Branche
- Die wichtigsten Tools für Audio
Viel Spaß beim Nachlesen!
Diane Dotzauer
Programmbereichsleiterin Bayern 1, Bayern 3, BR Puls, Bayerischer Rundfunk
Daniela Heiß
Moderatorin & Podcasterin, ENERGY München 93,3
Max Lotter
Komm. Programmchef, DASDING, SWR
Reece Moore
Radiomoderator, bigFM
Kevin Schieber
Programmdirektor, Antenne Deutschland
Lukas Schöne
Senior Partner and Program Manager, MedienNetzwerk Bayern
Konni Winkler
Programmleiter, Max Neo
Insa Wiese
Senior Partner- und Projektmanagerin
Wichtigste Learnings
Mut statt Untergangsstimmung
- Vom „Schlechtreden“ zum Anpacken: Radio ist nicht tot; es wandelt sich zum 360-Grad-Entertainment. Wir müssen aufhören, uns selbst klein zu machen, und stattdessen mit erhobenem Haupt die neuen Möglichkeiten nutzen.
- Das „Nebenbei-Medium“ boomt: Allen Unkenrufen zum Trotz ist Radio nicht tot. Im Gegenteil. In der aktuellen Aufmerksamkeitsökonomie wird die Fähigkeit von Audio, Hörer:innen als Begleitmedium im Alltag (Auto, Sport, Haushalt) zu erreichen, zu einem massiven Wettbewerbsvorteil.
- Menschlichkeit als USP: In einer Welt voller KI-Content wird das „Echte“ – die authentische Stimme, das gemeinsame Lachen, die geteilte Emotion – zu unserem wertvollsten Gut.
- Show statt Sendung – Authentizität schlägt Perfektion: Die klassische, glatte Radiomoderation hat ausgedient. Persönlichkeiten, die Ecken und Kanten zeigen, echte Gespräche führen und ihre eigene Identität ans Mikrofon bringen, binden die Community langfristig.
- Community statt Reichweite: Wir bewegen uns in einer Affinity Economy. Es geht nicht mehr nur darum, wer am lautesten schreit, sondern wer die engste Bindung zu seiner Zielgruppe aufbaut.
- KI als Werkzeug und Assistenz: Künstliche Intelligenz agiert in Redaktionen zunehmend wie eine „ultraschnelle Praktikantin“. Tools, beispielsweise von Adobe, helfen bei der Audio-Verbesserung, KI-Systeme erstellen Notizen, unterstützen bei der Strukturierung von Inhalten oder generieren schnell begleitende Social-Media-Grafiken.
KI ist eine ultraschnelle Praktikantin mit extrem viel Wissen aber ohne Lebenserfahrung.
Daniela Heiß Moderatorin & Podcasterin, ENERGY München 93,3
Skills
Future Skills Audio
Die journalistischen und handwerklichen Basics
Menschen bleiben das Fundament! Nur wer das Handwerk der Recherche beherrscht, kann auch die Ergebnisse einer KI kritisch prüfen. Zudem sind präzises Formulieren („auf den Punkt kommen“), Storytelling, starke Hooks sowie professionelle Interviewführung unverzichtbar.
Plattformverständnis und AI Literacy
In einer fragmentierten Medienwelt müssen Talente nicht zwingend selbst programmieren (Stichwort: Vibe Coding), aber sie brauchen zwingend technologisches Grundverständnis („AI Literacy“). Sie müssen wissen, wie man KI zielführend promptet, Nutzungskontexte analysiert und die Logiken der unterschiedlichen Algorithmen durchschaut.
Vom Gatekeeper zum Beziehungsmanager
Empathie, emotionale Intelligenz und echtes Zuhören bleiben die wichtigsten Soft Skills. Die Zeit oberflächlicher Moderation („Häppchen“) ist vorbei; in der Nische punkten Hosts durch Deep-Dives, Authentizität und Nahbarkeit. Es geht darum, Interaktionen aufzubauen und Hörer:innen als echte Community-Mitglieder zu pflegen.
Wer verstehen will, welche Skills in einer fragmentierten und zunehmend KI-generierten Medienwelt wichtig werden, sollte sich Podcasts anschauen. Fähigkeiten, wie Nutzungskontexte analysieren, Plattformlogiken verstehen und Communities pflegen sind das A und O.
Lukas Schöne Senior Partner and Program Manager, MedienNetzwerk Bayern
34% der Deutschen hören regelmäßig Podcast. Je ländlicher, desto mehr werden Podcast gehört.
RMS Der Audiovermarkter, Die RMS Podcast-Studie 2026 zeigt Nutzung, Zielgruppen und Werbewirkung von Podcasts, © RMS/Bonsai Research
Hands-on Tipps
Direkt umsetzbar für deinen Alltag
Für Ausbilder:innen
Lasst eure Praktikant:innen eure Sendungen und Airchecks bewerten! Sie sind eure Zielgruppe – nutzt ihr Wissen, um relevant zu bleiben.
Für Teams
Trainiert eure AI Literacy. Wer heute lernt, präzise zu prompten, sichert sich den Job von morgen. Gleichzeitig: Schärft euer journalistisches Handwerk (Hooks, Storytelling, Gesprächsführung) – das ist plattformübergreifend Gold wert.
Für das Recruiting
Vergesst den Obstkorb. Junge Talente suchen Flexibilität (Remote Work, 75%-Stellen) und eine ehrliche Feedbackkultur (FAT-Formel: Feedback, Authentizität, Transparenz).
Inspiration
Best Practices aus der Branche
DASDING (SWR) – Recruiting 2.0
Klassische, textlastige Stellenausschreibungen ziehen junge Talente nicht mehr an. DASDING setzt auf Social-Media-Clips mit schnellen Schnitten, Meme-Potenzial und Nähe zu Stars. Bewerbungsgespräche finden oft über Zoom statt (kurz und knackig, ca. 30 Minuten) und beinhalten ein „Bilderquiz“, um das kulturelle Matching im Team spielerisch zu prüfen.
BR / PULS – Hauseigene KI und Community-Fokus
Da Redaktionen mit sensiblen Daten arbeiten, hat der Bayerische Rundfunk ein eigenes KI-Tool entwickelt. Die Teams erarbeiten gemeinsam Prompts und teilen diese im Haus. Zudem wird konsequent auf die Community gehört: Beim PULS OpenAir zeigte eine simple Umfrage, dass ein Bierzelt von der Zielgruppe deutlich mehr gewünscht war als aufwendig geplante Club-Stages (Lektion: Needs abfragen statt „overengineeren“).
Energy & MaxNeo – Konsequente Crossmedialität
Radio ist längst nicht mehr „Audio only“. Bei Interviews oder Events (wie der Wiesn) sind standardmäßig Mitarbeiter:innen dabei, die exklusiv dafür zuständig sind, zusätzliches Bild- und Videomaterial für Social Media zu produzieren, um den Event-Charakter visuell zu verlängern.
bigFM – Empathisches Beziehungsmanagement On-Air
Statt strikter Format-Vorgaben steht die Beziehungsebene im Fokus. Moderatoren wie Reece Moore punkten, indem sie sich kleine Details von Hörer:innen oder Gästen merken und diese in künftigen Gesprächen organisch wieder aufgreifen.
Tech & Apps
Die wichtigsten Tools für Audio
KI als Werkzeug und Assistenz
Künstliche Intelligenz agiert in Redaktionen zunehmend wie eine „ultraschnelle Praktikantin“. Tools, beispielsweise von Adobe, helfen bei der Audio-Verbesserung, KI-Systeme erstellen Notizen, unterstützen bei der Strukturierung von Inhalten oder generieren schnell begleitende Social-Media-Grafiken.
Automatisierung & Voice-Cloning
Automatisierte Stimmen kommen bereits vereinzelt in standardisierten Formaten wie Verkehrsnachrichten zum Einsatz. Auch Voice-Cloning bietet unter klaren vertraglichen Regeln neue Möglichkeiten (z. B. zur Gehaltssicherung). Die klare rote Linie der Sender lautet jedoch: KI ersetzt keine echten Moderator:innen und darf niemals täuschen – KI-Inhalte erfordern eine transparente Kennzeichnung.
Video-Podcasts und Crossmedia
Audio ist heute „360-Grad-Entertainment“. Laut aktuellen Studien nutzen bereits 42 % der regelmäßigen Podcast-Hörer:innen Formate, bei denen parallel ein Video läuft – je jünger die Zielgruppe, desto höher der Anteil. Radio und Podcasts müssen heute visuell für Plattformen wie TikTok, Instagram oder Twitch mitgedacht werden.
Fazit: Der Mensch steht im Zentrum
Der Medienwandel ist kein Schreckgespenst, sondern eine Einladung. Wenn wir technisches Know-how mit unschlagbarer menschlicher Authentizität paaren, bleibt Audio das begleitende Medium Nummer eins – linear, on demand und überall dort, wo Menschen echte Verbindung suchen.
Zum Format
About Future Readiness
Unser Online-Format „Future Readiness“ nimmt den künftigen Kompetenzbedarf einzelner Medienbereiche in den Blick. In drei kompakten Stunden kommen Expert:innen und Teilnehmende zu Wort, um einen echten Austausch auf Augenhöhe in einem sicheren Rahmen zu ermöglichen.
Schau gerne in die vergangenen Events, um einen Einblick in unsere Learnings zu erhalten.