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Future Skills in der Lehre verankern – ohne auf Inhalte zu verzichten

Eine der größten Sorgen in der Hochschullehre lautet: „Wenn ich jetzt auch noch Future Skills unterrichten soll, wo bleibt dann die Zeit für den eigentlichen Fachstoff?“

Die Befürchtung ist verständlich. Fachcurricula sind vollgepackt, und der Stoffdruck ist hoch. Doch die gute Nachricht lautet: Future Skills müssen nicht als zusätzliche Vorlesungsstunden unterrichtet werden. Oft lassen sich überfachliche Kompetenzen durch das Fachwissen hindurch zu vermitteln. Dafür müssen bestehende Aufgabenstellungen und Formate lediglich leicht angepasst werden. Erfahre hier, wie dir das unkompliziert gelingen kann.

Das Future-Skills-Framework des Stifterverbandes gliedert die wichtigsten Zukunftskompetenzen in grundlegende, digitale, transformative und gemeinschaftsorientierte Fähigkeiten. Dazu gehören unter anderem:  

  •  Kritisches Denken & Problem lösen
  •  Data & AI Literacy (Verständnis von Daten und KI-Tools)  
  •  Kollaboration & Kommunikationskompetenz
  •  Lernkompetenz & Resilienz
  •  Ambiguitätstoleranz (Umgang mit Unsicherheit und komplexen Gegebenheiten)

All diese Fähigkeiten lassen sich hervorragend an echten fachlichen Problemstellungen trainieren.

  • Vom Wissensabruf zur kritischen Analyse (Kritisches Denken & AI Literacy)

    Statt Studierende im Seminar eine Zusammenfassung eines Fachtextes schreiben zu lassen, lasse den Text von einem KI-Tool (z. B. ChatGPT) zusammenfassen.

    Die Aufgabe: Die Studierenden analysieren den KI-Output fachlich auf Lücken, Halluzinationen oder fehlerhafte Logik.

    Der Effekt: Fachwissen wird tiefgehend angewendet und verifiziert. Gleichzeitig schulen die Studierenden ihre Data & AI Literacy sowie kritisches Denken.

  • Miniseminare durch Peer Feedback ersetzen (Kollaboration & Kommunikation)

    Die Aufgabe: Überlasse die Bearbeitung von Übungsaufgaben oder Fallstudien Kleingruppen. Vor der Abgabe korrigieren und kommentieren sich die Studierenden gegenseitig nach einem von dir vorgegebenen Bewertungsraster (Peer Feedback).

    Der Effekt: Die fachliche Auseinandersetzung verdoppelt sich, während du Zeit bei der Korrektur sparst und die Studierenden Kommunikations- und Feedbackkompetenz erwerben.

  • Fachliche Aufgaben mit echten Unsicherheiten versehen (Ambiguitätstoleranz)

    Die Aufgabe: Gib den Studierenden eine Medien-Fallstudie (z. B. Kampagnen-Launch) mit gezielt unvollständigen, widersprüchlichen Marktdaten oder unklaren Plattform-Algorithmen. Sie müssen daraus ein Konzept entwickeln und ihre Wahl trotz der Datenlücken begründen

    Der Effekt: Studierende lernen, wie in der echten Medien- und Kommunikationspraxis unter Unsicherheit fachlich fundierte Entscheidungen zu treffen, Risiken abzuwägen und mit unvollständigen Informationen umzugehen.

  • Das „UX- & KI-Fehler-Protokoll“ (Lernkompetenz & Resilienz)

    Anstatt nur das finale Medienprodukt abzufragen, verlangst du eine kurze Prozess-Reflexion.

    Die Aufgabe: Die Studierenden reichen mit ihrer Arbeit (z. B. Kampagne, Layout) ein kurzes Protokoll ein: „Welcher Tool- oder Prompt-Fehler ist aufgetreten und wie hast du ihn behoben?“

    Der Effekt: Stärkt die Metakognition und baut eine gesunde Fehlerkultur beim Einsatz neuer Medientechnologien auf.

  • Der 3-Minuten-Media-Pitch (Kommunikations- & Synthesekompetenz)

    Klassische Referate über Medienergebnisse oder Kommunikationskonzepte neigen zu langatmigem Ablesen.

    Die Aufgabe: Die Studierenden pitchen ein komplexes Medienkonzept, eine Zielgruppenanalyse oder eine Medienstudie in exakt 3 Minuten mit maximal einer Visualisierung – angelehnt an reale Agentur- und Pitch-Situationen.

    Der Effekt: Zwingt dazu, Fachwissen auf die Kernbotschaft zu reduzieren und mediale Inhalte zielgruppengerecht auf den Punkt zu bringen

  • Digitale Kanban-Boards für Medienprojekte (Agiles Arbeiten & Digital Literacy)

    Praxisprojekte in den Medien (z. B. Magazinproduktionen, Podcast-Reihen oder Kampagnen) scheitern oft an unklarer Aufgabenverteilung.

    Die Aufgabe: Verpflichte die Studierenden bei Projektarbeiten dazu, ihre Redaktions- oder Produktionsschritte auf einem digitalen Kanban-Board (z. B. Notion, Monday oder Airtable) transparent zu verwalten.

    Der Effekt: Die Studierenden erlernen agile Projektmanagement-Methoden (z. B. aus dem Redaktions- oder Agenturalltag), während du als Lehrkraft jederzeit den Produktionsstand einsehen kannst.

Future Skills müssen kein Zusatzballast, sondern können als Katalysator für tiefes fachliches Verständnis dienen. Wer Fachwissen aktiv anwenden, hinterfragen und im Team bearbeiten lässt, vermittelt die geforderten Zukunftskompetenzen ganz von allein.

Weiterführende Literatur

Hochschulforum Digitalisierung (HFD): Future Skills to go: Wie können Studierende auf zukünftige Arbeitsanforderungen vorbereitet werden?

Für weitere Ideen siehe dazu auch unseren Blogbeitrag: Wie vermittelt man relevante Future Skills im Medienalltag 

Ein Artikel von

Frau mit schulterlangen, braunen, welligen Haaren, die lächelt und einen schwarzen Pullover mit Muster trägt. Hintergrund ist weiß.

Insa Wiese

Senior Partner- und Projektmanagerin