Zum Inhalt springen
  • Über Uns
Start Into Media Bewerbunstipps Mental Health

Resilienz in der Ausbildung

Damit aus Begeisterung nicht Erschöpfung wird.

Wer frisch in die Medienwelt startet, will alles richtig machen. Doch aus dem unbedingten Willen zu performen, wird schnell eine schleichende Überforderung. Wie können Ausbilder:innen junge Talente so begleiten, dass aus Motivation nicht Erschöpfung wird? Warum Resilienz im Alltag oft ganz leise beginnt und welche konkreten Handgriffe helfen, den Nachwuchs gesund und langfristig in der Branche zu halten, erfährst du hier im Blog. 

Vielleicht hast du sofort jemanden vor Augen.

Eine junge Person im Team, die mitdenkt, engagiert ist, sich einbringt und alles richtig machen will. Oder eine:n Quereinsteiger:in, der oder die mit viel Motivation startet und gleichzeitig spürt, besonders schnell beweisen zu müssen, dass der eigene Weg in diese Branche richtig war.

Und dann passiert etwas, das leicht übersehen wird:

Die Person bleibt länger. Sagt noch einmal „Klar, mach ich“. Denkt nach Feierabend weiter an das Projekt. Von außen wirkt das nach Motivation. Manchmal ist es aber schon der Anfang von Erschöpfung.

Wenn der Traumjob zur Falle wird: Leidenschaft vs. Realität

Gerade in der Medienbranche passiert das schnell. Da ist die Begeisterung für kreative Arbeit, der Wunsch dazuzugehören, Verantwortung zu übernehmen und mitzuziehen. Gleichzeitig ist der Berufsalltag oft schnell, dicht und fordernd. Die Frage ist also nicht nur: Wie bilden wir junge Talente gut aus? Sondern auch: Wie sorgen wir dafür, dass sie auf dem Weg dorthin nicht schon ausbrennen?

Denn Hand aufs Herz: Wollen wir das wirklich? Wer in der Branche arbeitet, weiß längst, wie nah Leidenschaft und Überlastung beieinanderliegen können. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf Studien, die nicht den Nachwuchs, sondern bereits Berufstätige untersucht haben.

Das bedeutet echte Resilienz im Alltag 

Die LMU-Studie „Burning (Out) for Journalism“ befragte deutschlandweit 1.301 Journalist:innen. Das Ergebnis ist alarmierend: 53,0 % wiesen laut WHO-5 ein Depressionsrisiko auf, 46,1 % zeigten hohen oder sehr hohen psychischen Distress. Ähnlich deutlich ist die Looking Glass Survey 2024 der Film and TV Charity. Dort nahmen mehr als 4.300 Film-, TV- und Kinobeschäftigte teil – also Menschen, die bereits mitten im Berufsalltag stehen. Die Ergebnisse zeigen die bislang niedrigsten Mental-Health-Selbsteinschätzungen in der fünfjährigen Geschichte der Erhebung. 64 % denken darüber nach, die Branche wegen psychischer Belastung zu verlassen, 63 % sagen, ihre Arbeit wirke sich negativ auf ihre psychische Gesundheit aus, und 35 % bewerten ihre psychische Gesundheit als „poor“ oder „very poor“. Das ist der entscheidende Punkt: Diese Zahlen stammen nicht von Menschen, die erst noch in den Beruf hineinwachsen. Sie stammen von Menschen, die schon arbeiten – und schon ausbrennen. 

Deshalb ist die Frage umso wichtiger: Wollen wir wirklich, dass junge Talente und Quereinsteiger:innen schon mit Daueranspannung und Erschöpfung in genau dieses Arbeitsfeld starten? Resilienz klingt groß. Im Alltag ist sie oft ganz klein. Resilienz heißt nicht, alles wegzustecken oder einfach belastbarer zu werden. Es geht darum, Belastung früh wahrzunehmen, Warnsignale ernst zu nehmen und zu wissen, wie man sich in stressigen Momenten wieder regulieren kann. Manchmal beginnt das mit erstaunlich kleinen Dingen. Wusstest du zum Beispiel, dass schon ein bewusster, tiefer Seufzer helfen kann, das Nervensystem zu beruhigen? Das ist kein Wundermittel. Aber es zeigt etwas Wichtiges: Regulation beginnt oft nicht erst in der Krise, sondern in kleinen Momenten, die Entlastung möglich machen.

Was beim Einstieg wirklich im Kopf passiert

Manchmal beginnt das mit erstaunlich kleinen Dingen. Wusstest du zum Beispiel, dass schon ein bewusster, tiefer Seufzer helfen kann, das Nervensystem zu beruhigen? Das ist kein Wundermittel. Aber es zeigt etwas Wichtiges: Regulation beginnt oft nicht erst in der Krise, sondern in kleinen Momenten, die Entlastung möglich machen.

Für junge Talente ist der Einstieg oft intensiver, als er von außen wirkt. Von außen sieht ein Einstieg in die Medienwelt oft spannend aus: neue Projekte, neue Menschen, erste Verantwortung. Von innen fühlt es sich oft anders an. Da ist der Wunsch, alles richtig zu machen. Da ist die Angst, zu viel zu fragen. Da ist der Vergleich mit denen, die längst Routine haben. 

Und dazu kommt noch etwas: Gerade am Anfang prasseln oft unheimlich viele neue Informationen, Eindrücke, Abläufe und Erwartungen gleichzeitig auf junge Menschen ein. Neue Namen, neue Tools, neue Rollen, neue Routinen – das alles muss das Gehirn erst einmal verarbeiten. Was von außen nach einem normalen Einstieg aussieht, kann sich innerlich schnell nach Überforderung anfühlen. Und genau hier beginnt die Rolle von Ausbilder:innen. Ausbilder:innen vermitteln nicht nur Wissen. Sie prägen auch, wie junge Menschen Arbeit erleben: ob sie lernen, dass sie wachsen dürfen oder ob früh das Gefühl entsteht, vor allem funktionieren zu müssen. 

Resilienz wächst nicht dort, wo Menschen einfach härter werden müssen. Sie wächst dort, wo Orientierung da ist, wo Fehler nicht beschämen, wo Rückmeldung stärkt und wo Belastung nicht tabuisiert wird.

Mach Unsicherheit besprechbar

Wer neu ist, muss nicht sofort alles können. Wenn das offen ausgesprochen wird, nimmt das enorm viel Druck raus.

Benenne Fortschritte

Nicht nur, was noch fehlt. Sondern auch, was schon wächst: mehr Sicherheit, klarere Struktur, mutigere Rückfragen.

Achte auf leise Signale

Wenn jemand stiller wird, gereizter wirkt oder nur noch abarbeitet, lohnt sich ein genauer Blick.

Eine Gruppe von fünf Personen unterhält sich bei einer Networking-Veranstaltung in einem modernen Bürogebäude, ein Mann mit Tablet spricht mit zwei Frauen im Vordergrund.

Nimm Mental Health und Resilienzförderung früh in den Ausbildungsgang auf

Nicht erst, wenn etwas kippt. Sondern von Anfang an. Dazu gehören kurze Inputs zu Stress, Warnsignalen und Selbstfürsorge genauso wie einfache Techniken zur Selbstregulation – etwa bewusste Pausen, Atemübungen, Reflexionsroutinen oder der Umgang mit Überforderung im Team.

Gib Orientierung

Klare Erwartungen, nachvollziehbare Prioritäten und realistische Einarbeitung entlasten oft mehr als jede Motivationsrede.

Wer Mental Health, Resilienz und Work-Life-Balance in der Ausbildung sichtbar mitdenkt, unterstützt also nicht nur junge Talente und Quereinsteiger:innen besser – sondern macht sich auch als Ausbilder:in attraktiver für eine Generation, die sehr genau darauf schaut, wie Arbeit gestaltet ist und welche Haltung ein Ausbildungsort vermittelt.

Fazit

Wenn wir Resilienz, Mental Health und gute Begleitung in der Ausbildung ernst nehmen, stärken wir nicht nur einzelne junge Menschen. Wir schaffen die Voraussetzung dafür, dass Talente bleiben, wachsen und die Branche langfristig mittragen – auch indem sie lernen, Überlastung und Erschöpfung bei sich selbst und bei anderen früh zu erkennen und sich in stressigen Momenten besser zu regulieren. Gerade in einem Berufsfeld, in dem viele Menschen lange funktioniert haben, ohne überhaupt ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wann sie kurz davor sind auszubrennen.

Ein Artikel von

Heike Dzaack-Crostewitz

Gründerin, DramaCare

Heike Dzaack-Crostewitz ist Gründerin von DramaCare, zertifizierte Mental Health Coordinator (AMHC, USA) und Vorstandsmitglied der internationalen Association of Mental Health Coordinators. In ihrer Arbeit verbindet sie therapeutische Qualifikation im Bereich Psycho- und Traumatherapie, Fachkompetenz und praktische Erfahrung mit einem klaren Engagement für psychische Gesundheit und strukturellen Wandel in der Film-, Fernseh-, Medien- und Kulturbranche.