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Future Readiness für Bayerns Medien: Kompetenzlücken gezielt schließen

Nur 10 % der Beschäftigten sind emotional an ihr Unternehmen gebunden. Dein stärkster Hebel dagegen? Keine teuren Goodies, sondern gezielte Aus- und Weiterbildung. Im Rahmen der MEDIENTAGE München durfte ich ein Panel moderieren. Unter dem Titel „The Skills Gap – Welche Kompetenzen Medienhäuser jetzt brauchen und woher sie kommen“ ging es um die Existenzfrage unserer Branche: Wie sichern wir die Future Readiness, wenn das Wissen von heute schon übermorgen überholt ist? Hier habe ich für dich die Key Takeaways zusammengetragen: von Reverse Mentoring über Fördertöpfe bis hin zu konkreten Impulsen für deinen Arbeitsalltag. 

Wann hast du das letzte Mal gehört: „Dafür haben wir im laufenden Arbeitsalltag gerade weder Zeit noch Budget“? 
Gefühlt schrumpft die Halbwertzeit von Medienwissen täglich. Ob KI-Tools, neue Redaktions-Workflows, veränderten Suchlogiken (GEO statt nur SEO) oder sich ständig wandelnde Content-Formate: Wer in der Medienaus- und -weiterbildung tätig ist, merkt die Dynamik am eigenen Leib. Wir können qualifizierte Fachkräfte jedoch nicht mehr mit den Rezepten von gestern sichern. Es braucht eine echte Kultur des lebenslangen Lernens – verzahnt über Hochschulen, Akademien und Medienhäuser hinweg.

Auf den MEDIENTAGE München stand deshalb auf der Pink Stage eine der dringendsten Fragen der Branche im Fokus: The Skills Gap – Welche Kompetenzen Medienhäuser jetzt brauchen und woher sie kommen. Auf diesem Panel durfte ich mit Prof. Dr. Sylvia Rothe (HFF München), Robert Arsenschek (Akademie der Bayerischen Presse), Martina Staudinger (Mediascale / Mediaplus Gruppe) diskutieren. Die gute Nachricht vorweg: Die Lösungen sind bereits da, man muss sie nur wahrnehmen.

Impres­sio­nen vom Panel

Credits: Medien.Bayern GmbH / MEDIENTAGE München

  • Vier Personen sitzen an einem Tisch vor einem pinken Hintergrund mit dem Logo 'Start into Media'. Auf dem Tisch steht der Hashtag #MTM40. Die Szene zeigt eine Diskussion oder ein Panel-Gespräch im Rahmen der MEDIENTAGE München.
  • Vier Personen sitzen auf einer Bühne vor einem pinken Hintergrund und diskutieren. Im Hintergrund sind ein Bildschirm mit 'Start Into Media' und ein Banner mit 'MEDIENTAGE München' zu sehen. Der Hashtag #MTM40 ist auf dem Tisch platziert.
  • Vier Personen sitzen an einem Tisch vor einer pinken Wand und diskutieren. Auf dem Tisch steht der Schriftzug #MTM40. Im Hintergrund ist ein Bildschirm mit dem Logo 'Start Into Media' zu sehen.
  • Zwei Frauen sitzen auf einer Bühne und unterhalten sich lächelnd. Im Vordergrund steht der Hashtag #MTM40. Der Hintergrund zeigt ein farbiges Design mit einem QR-Code.
  • Ein Mann in einem dunklen Anzug mit Namensschild sitzt an einem Tisch und spricht mit anderen Personen. Im Hintergrund ist eine pinke Wand und ein Bildschirm mit Schriftzug zu sehen. Auf dem Tisch stehen Wassergläser und Notizen.
  • Eine Frau in schwarzer Kleidung sitzt an einem Tisch vor einem pinken Hintergrund. Auf dem Tisch steht ein Schriftzug '#MTM40'. Sie trägt eine Brille und ein Konferenz-Lanyard. Im Vordergrund sind Gläser und ein Mikrofon zu sehen.
  • Vier Personen stehen lächelnd vor einer Bühne mit dem Schriftzug 'Pink Stage'. Im Hintergrund sind Kameras, Scheinwerfer und sitzende Gäste zu sehen. Die Szene ist in einem modernen Konferenzraum mit pinker Beleuchtung.

Grundlagen festigen, Neugier entfesseln

Welche Skills fehlen Nachwuchstalenten und Teams eigentlich am meisten? Überraschenderweise geht es den Expert:innen weniger um das Beherrschen einzelner Software-Lizenzen, sondern um Haltung und solides Handwerk.

An der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) setzt man ganz bewusst auf ein stabiles Fundament, wie Prof. Dr. Sylvia Rothe betont:

Zum einen glaube ich: Jeder, der KI anwendet, muss in seinem Fachgebiet kompetent sein, egal welches Fachgebiet das ist. Deshalb haben unsere Studierenden nach wie vor die klassische Filmausbildung.

Prof. Sylvia Rothe Hochschule für Fernsehen und Film (HFF München)

KI wird als kreativer Hebel genutzt – etwa für schnelle Prävisualisierungen von Filmideen ohne Zeit- und Kostendruck –, doch der Kern bleibt inhaltliche Substanz. Entscheidend für den Jobmarkt sei vor allem eines:

Man braucht Menschen, die wissen: Was kann KI, und was kann sie nicht? […] Das andere ist, sich schnell auf Dinge einzustellen: diese Neugier, Dinge auszuprobieren und flexibel zu sein.

Prof. Sylvia Rothe Hochschule für Fernsehen und Film (HFF München)

Diesen Eindruck bestätigt Martina Staudinger aus der Praxis einer großen Kommunikationsagentur:

Was wir uns von jungen Menschen wünschen, ist vor allem Anpassungsfähigkeit: immer wieder neu zu lernen, flexibel zu sein und sich Neues anzueignen. Denn die Programme verändern sich.

Porträtfoto einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren und durchsichtiger Brille. Sie trägt ein schwarzes Sakko und ein weißes Oberteil. Der Hintergrund ist dunkelblau.

Martina Staudinger Mediaplus Gruppe

Es geht um Technologieoffenheit und die Routine, den Arbeitsalltag eigenständig mit KI und Large Language Models zu strukturieren. Tools von heute sind der Erfahrung nach morgen oft schon wieder überholt.

Wer bei Weiterbildung spart, spart am falschen Ende. Robert Arsenschek fand dafür ein drastisches, treffendes Bild aus der Tech-Welt:

„In der Computerbranche gibt es den Begriff der technischen Schulden. Genauso gibt es so etwas wie Lernschulden. Man überzieht gewissermaßen ein Konto und merkt irgendwann, dass es nicht mehr passt.“, so Arsenschek.

Aus- und Weiterbildung sei keine Notfallmaßnahme, wenn es irgendwo brennt:

Lernen und Weiterbildung sollten selbstverständlich sein und beispielsweise im Dienstplan berücksichtigt werden. Sie gehören nicht in die Freizeit. […] Der Mensch lernt gerne. So sind wir programmiert.

Robert Arsenschek Akademie der bayerischen Presse

Erkenntnis!

Ein klares Plädoyer hielten die Speaker zudem für eine gesunde Lernkultur. Wer Mitarbeitende nach Feierabend zum Lernen verdonnert, hat das Spiel bereits verloren.

Das ist wie bei einer Bahnstrecke. Man kann immer mal ein Stück vom Gleis reparieren, wenn etwas kaputt ist. […] Aber eigentlich muss man das sanieren und auf den neuesten Stand bringen. Sonst entgleist der Zug einfach mal.

Robert Arsenschek Akademie der bayerischen Presse

Große Budgets sind schön, aber keine Ausrede für Untätigkeit. Medienhäuser können sofort interne Ressourcen aktivieren. Bei Mediascale setzt man gezielt auf Mentoring-Programme und Wissenstransfer zwischen Teams:

„Das muss man auch als Reverse Mentoring betrachten: Wir lernen ebenfalls von den jungen Menschen. Wenn ich ein Mentoring mache, lerne ich selbst unglaublich viel. Auch wir können von den Kompetenzen lernen, die die junge Generation mitbringt“, erklärt Martina Staudinger.

Und wenn es um externe Expertise geht? Für kleine Verlage, Studios oder Redaktionen gibt es im Freistaat handfeste finanzielle Entlastung. Von ESF Plus über KOMPASS bis hin zur Agentur für Arbeit existieren reiche Fördertöpfe. Arsenscheks pragmatischer Tipp: Die Fördermittelsuche einfach per Deep Research einer KI übergeben und bereits nach wenigen Minuten liegt die Liste vor.

Aus- und Weiterbildung ist keine lästige Kostenstelle, sondern der wirksamste Hebel für Mitarbeiterbindung. Laut Gallup-Studie fühlen sich gerade einmal 10 % der Beschäftigten in Deutschland emotional an ihr Unternehmen gebunden. Das hat fatale Folgen für Fluktuation und Wissensverlust.

Weiterbildung – egal ob intern oder extern – hat immer etwas mit Wertschätzung zu tun. Man traut einem Mitarbeitenden zu, Wissen zu teilen und von ihm oder ihr zu lernen, oder man nimmt Geld in die Hand und bildet weiter. […] Da lohnt sich doch mal ein Gespräch mit Perspektiven für Mitarbeitende, um eine Kündigung und damit hohe Recruitingkosten zu vermeiden.

Insa Wiese Start Into Media

Ein Artikel von

Frau mit schulterlangen, braunen, welligen Haaren, die lächelt und einen schwarzen Pullover mit Muster trägt. Hintergrund ist weiß.

Insa Wiese

Senior Partner- und Projektmanagerin