In der Ausbildung junger Menschen für die Medienwelt werden oft Tools, Prozesse und Fachwissen vermittelt. Alles wichtig – keine Frage. Aber ein entscheidender Faktor wird häufig unterschätzt: ein feines Gespür für Kommunikation. Wer dieses entwickelt, kann nicht nur klarer arbeiten, sondern auch besser im Team agieren. Und das Beste: Diese Fähigkeit lässt sich trainieren.
Der Kommunikations-Eisberg
Was unter der Oberfläche liegt
Kommunikation ist wie ein Eisberg. Der kleinere Teil – sichtbar über der Wasseroberfläche – ist die Sachebene: Fakten, Aufgaben, Fristen, To-dos. Darunter, viel größer und oft unbewusst wirksam, liegt die Beziehungsebene: Emotionen, Erwartungen, Wertungen und Interpretationen.
Ein Beispiel macht das deutlich:
Die Redaktionsleiterin sagt zu einem Volo:
„Übernimm bitte den Beitrag für morgen.“
Auf der Sachebene ist das ein klarer Arbeitsauftrag. Aber was kommt auf der Beziehungsebene an?
- Denkt sie, der Beitrag sei unwichtig und will ihn schnell loswerden?
- Will sie testen, ob ich das schaffe?
- Oder traut sie mir bewusst eine anspruchsvolle Aufgabe zu?
Diese Fragen zeigen: Zwischen Sender und Empfänger liegt ein Interpretationsspielraum, der entscheidend für die Zusammenarbeit ist. Gute Kommunikation heißt also nicht nur, verständlich zu sprechen – sondern auch, Beziehungen bewusst machen.
Impuls
Drei Kommunikations-Skills für die Ausbildung mit großer Wirkung
Soft Skills sind keine Nebensache. Sie sind der Kitt, der Teams zusammenhält, der Motor für gute Zusammenarbeit – und oft das Zünglein an der Waage in Projekten. Hier sind drei konkrete Ansätze, wie du Kommunikationskompetenz gezielt in die Ausbildung integrieren kannst:
Rollenklarheit schaffen
Gerade junge Menschen sind oft unsicher, welche Erwartungen im Team an sie gestellt werden. Sprecht deshalb offen über Rollen: Wer hat welche Aufgabe? Wer trägt welche Verantwortung? Wer darf was entscheiden?
Ein gemeinsames Rollenverständnis beugt Missverständnissen vor und schafft Sicherheit.
Zwischen den Zeilen lesen lernen
Trainiere mit deinen Volos und Azubis die Fähigkeit, zwischen Gesagtem und Gemeintem zu unterscheiden. Dazu reicht schon die Analyse von Beispielgesprächen oder realen Situationen: Was wurde gesagt? Wie kann man das verstehen? Was hätte anders kommuniziert werden können?
Diese Übung schärft das Gespür für Sprache, Körpersprache sowie Tonlage und stärkt gleichzeitig die Fähigkeit, empathisch zu kommunizieren.
Feedback geben und annehmen
Kritik äußern, ohne zu verletzen. Feedback annehmen, ohne sich angegriffen zu fühlen. Beides ist nicht selbstverständlich aber lernbar.
Übt gemeinsam, wie man Rückmeldungen konstruktiv formuliert und wie man souverän damit umgeht.
Junge Talente, die ihre eigenen Bedürfnisse und Meinungen klar äußern können, sind nicht nur zufriedener, sie sind auch wertvolle Teamplayer.
Kommunikation ist kein nettes Extra. Sie ist die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit. Vor allem in der Medienwelt, wo Projekte oft unter Zeitdruck entstehen, Teams agil arbeiten und Feedbackzyklen kurz sind.
Deshalb gilt:
Gute Projekte entstehen nicht durch Tools, sondern durch Menschen, die gut kommunizieren.
Wenn du deine Azubis oder Volos befähigst, sich unter der Oberfläche der Kommunikation sicher zu bewegen, stärkst du nicht nur ihre Projektkompetenz, sondern auch ihre Teamfähigkeit, Empathie und Persönlichkeit.
Phil Scholz Projektmanager, Media Lab Bayern
Ein Artikel von
Phil Scholz
Phil Scholz ist Projektmanager für Partner & Kommunikation beim Media Lab Bayern. Mit journalistischem Hintergrund und einem Fokus auf Medieninnovation vernetzt er Medienhäuser, Universitäten, Hochschulen und junge Talente. Seine Leidenschaft gilt strategischer Kommunikation, digitalen Formaten und der Zukunft der Medienbranche.
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