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Sinkt die Qualität der Azubis wirklich oder bilden wir lediglich falsch aus?

Nach Gesprächen mit Ausbilder:innen beim Ausbildertag 2026 der IHK Schwaben war ich entsetzt: Ich hörte wiederholt, dass nicht nur die Anzahl der Bewerbungen abgenommen hat, sondern vor allem auch die Qualität der Bewerbenden an sich. Das zeige sich vor allem in den ersten Wochen der Beschäftigung. Aber liegt es wirklich nur an den Bewerbenden oder können wir selbst etwas dagegen unternehmen? Im Rahmen des Ausbildertags habe ich ein paar Impulse mitgenommen, die ich im Folgenden mit dir teilen möchte.

Nach Gesprächen mit Ausbilder:innen beim Ausbildertag 2026 der IHK Schwaben war ich entsetzt: Ich hörte wiederholt, dass nicht nur die Anzahl der Bewerbungen abgenommen hat, sondern vor allem auch die Qualität der Bewerbenden an sich. Das zeige sich vor allem in den ersten Wochen der Beschäftigung. Aber liegt es wirklich nur an den Bewerbenden oder können wir selbst etwas dagegen unternehmen? Im Rahmen des Ausbildertags habe ich ein paar Impulse mitgenommen, die ich im Folgenden mit dir teilen möchte.
 

Mit dem Fokus ist das so eine Sache: Laut Keynote-Speaker Volker Busch haben wir im Gehirn eine Art Bühne, aber nur einen Strahler, der sie beleuchtet. Wir können uns neurologisch also nur auf eine einzige Sache konzentrieren. Auch Multitasking funktioniert nicht. Es ist in Wahrheit reines Multi-Switching. Das hört sich vielleicht nach einer Superkraft an, führt aber zu mentaler Erschöpfung. Nachweislich sinken dadurch Merkfähigkeit und Intelligenz, so Busch. Die Aufmerksamkeitsspanne nimmt insgesamt ab: Während vor ein paar Jahren noch zwölf Minuten am Stück möglich waren, schaffen wir heutzutage gerade einmal vier.

Was hat das mit deinen Azubis und Studis und ihren Leistungen zu tun? Wenn du die Bühne im Kopf nicht sauber hältst, kannst du wenig leisten. Es ist also kein Wunder, dass im digitalen Zeitalter Potenziale nicht optimal abgerufen werden. Weder die deiner Talente noch deine eigenen. Was kannst du also tun?

Schlaf lädt die Akkus wieder auf. Nun haben wir am Arbeitsplatz selten die Möglichkeit für ein Nickerchen. Volker Busch schlägt deshalb eine Fokusstunde vor. Dahinter steckt eine ganz einfache Idee: Nimm dir im Laufe des Tages 60 Minuten Zeit, in denen du dich ausschließlich einer einzigen Aufgabe widmest, am besten in einem festen Zeitslot. Volker Busch wählt dafür beispielsweise 11 Uhr.

Für diese 60 Minuten gilt:

Smartphone weg, Telefon stummschalten, Browser-Tabs schließen. Nur das Programm oder Dokument, an dem du arbeitest, bleibt geöffnet. Alle Störfaktoren von außen werden konsequent ausgeschaltet.

Für Azubis

Für deine Auszubildenden könnte das die konzentrierte Arbeit am Berichtsheft sein. 

Für Ausbilder:innen

Für dich die Überarbeitung deiner Ausbildungsstrategie. 

Du kannst die Fokusstunde sogar selbst zum festen Teil deiner Ausbildung machen, indem du sie als eigenständiges Projekt für deine Azubis anlegst.

Die Projektbeschreibung für deine Azubis sieht dann so aus: 

  • Einmal am Tag hast du eine Fokusstunde zur Verfügung. 
  • In dieser Zeit konzentrierst du dich auf eine einzige Aufgabe. 
  • Überlege dir stets bei Arbeitsbeginn, welches Thema du in dieser Stunde bearbeiten möchtest. 
  • Während dieser Zeit bleibt das Handy weggeräumt, unnötige Tabs sind geschlossen und 
  • du arbeitest an einem ruhigen, ungestörten Ort.

Der Gedanke dahinter: 
Die Azubis übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Lernen und erhalten echten Gestaltungsfreiraum. Das löst sich vom reinen Belehren und fördert die Eigenmotivation, wie auch Referent Thomas Hug betont. Das Ergebnis sind bessere Leistungen. Hug sieht darin einen Rollenwandel: Weg von der belehrenden Rolle, hin zur Lernbegleitung. Veränderung ist natürlich nicht jedermanns Sache. Dazu passt dies treffende Zitat von Georg Christoph Lichtenberg:

Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.

Georg Christoph Lichtenberg Physiker (1742 - 1799)

Sich selbst kritisch hinterfragen

Es lohnt sich also der Blick auf das eigene Handeln: Bin ich bereit, Neues auszuprobieren? Bin ich offen dafür, Dinge anders anzugehen, um meine Azubis zu stärken?

Ein wichtiger Hebel ist dabei die Kommunikation im Feedbackgespräch. Regelmäßiges Feedback ist für den Lernerfolg unverzichtbar. Wenn Azubis blockieren, entsteht schnell der Eindruck, der junge Mensch habe schlicht keine Lust. Aber hast du dich schon mal gefragt, ob du in deiner Kommunikation wirklich KLAR gewesen bist? Gesa Zötler hat in ihrem Vortrag genau dieses Modell vorgestellt. Für sie beginnt gelingende Kommunikation beim Zuhören. Der erste Schritt lautet also: weniger senden, mehr empfangen. Denn wer ständig nur sendet und belehrt, nimmt nichts mehr auf.

Die KLAR-Methode

So wendest du sie an!

  • K = Klar beschreiben

    Konkrete Situationen schildern („Du hast die Aufgabe gut gelöst, weil du direkt auf den Kunden zugegangen bist, aktiv zugehört und eine passende Lösung angeboten hast.“)

  • L = Lern- und Leistungsziele benennen

    Erwartungen und messbare nächste Schritte eindeutig formulieren („Bis zum Monatsende erstellst du die Abrechnung selbstständig.“)

  • A = Ausbildungsperspektive erfragen

    Eigene Werte vermitteln und die Sichtweise des Azubis einholen.

  • R = Regeln vereinbaren

    Feste Absprachen treffen wie Termintreue, Nutzung von Ich-Botschaften und wertschätzender Umgang.

Für Zötler ist Kommunikation wie ein Mobile: Wenn ich mein Verhalten ändere, bewegt sich das Gegenüber automatisch mit. 
Probiere es doch beim nächsten Gespräch direkt aus. Achte dabei auf einen wichtigen Fallstrick: Gib bei deiner Gesprächsbitte immer sofort den Kontext an. Stell dir vor, deine Führungskraft sagt kurz angebunden zu dir: 
 

„Frau Müller, kommen Sie bitte sofort in mein Büro!“ 

Was passiert? Sofortiges Kopfkino. Was habe ich falsch gemacht? Droht Ärger? 

Damit solche Ängste gar nicht erst aufkommen, nimmst du die Ungewissheit vorweg: 

„Karl, lass uns nachher kurz zusammensetzen. Ich möchte dir gern eine kurze Idee für dein nächstes Projekt vorstellen.“

Voraus­set­zung

Wichtig dabei: Lass die Pause bitte echte Pause sein und verlege solche Gespräche bewusst auf die Zeit danach.

Denn sowohl Kommunikation als auch fokussiertes Arbeiten verlangen nach gezielter Erholung. Konzentriertes Arbeiten in der Fokusstunde zahlt sich enorm aus: Studien zeigen, dass währenddessen weniger Cortisol ausgeschüttet wird und das Zufriedenheitsgefühl steigt. Nervenzellen synchronisieren sich auf einer gemeinsamen Frequenz, wodurch sie deutlich effizienter arbeiten.

Hier mehr zum Thema Fokus!

Einfach mal nichts tun

Niksen

Doch jede Konzentration stößt an Grenzen. Nach 60 bis 90 Minuten lässt die Leistung spürbar nach und Fehler schleichen sich ein. Auch hierfür liefert Volker Busch eine treffende Empfehlung: einfach mal „niksen“.

Niksen stammt aus dem Niederländischen und bedeutet schlicht, bewusst gar nichts zu tun. Kein Ziel verfolgen, die Gedanken einfach treiben lassen. Das gelingt besonders gut bei einem Spaziergang um den Häuserblock, am besten allein, damit das Gehirn komplett in den Ruhezustand wechseln kann. Genau dann wird das Default Mode Network (DMN), das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk, aktiv. Es verbindet verschiedene Hirnareale miteinander und arbeitet auf Hochtouren, sobald wir keine konkrete äußere Aufgabe lösen müssen.

  • Selbstreflexion und Identität

    Es ordnet Eindrücke und stärkt das innere Selbstbild.

  • Gedächtnis und Planung

    Es verarbeitet Erlebtes und hilft dabei, zukünftige Handlungen vorausschauend zu strukturieren.

  • Kreativität und Abstraktion

    Ohne Reize von außen entstehen neue Ideen, Lösungsansätze und Raum für kreatives Denken.

Powertool: Niksen

Niksen macht, einfach gesagt, kreativer und aufnahmefähiger. Sorge also dafür, dass deine Talente echte Pausen einlegen, um ihre Akkus wieder zu füllen. Nach Volker Busch sind vier Pausen von jeweils 20 Minuten über den Tag verteilt am wirkungsvollsten.

Die Qualität der Azubis liegt auch in deiner Verantwortung

Als Ausbilder:in hast du großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit deiner Schützlinge. Oft braucht es nur den Mut, gewohnte Abläufe zu hinterfragen. Vielleicht gehst du nun selbst erst einmal eine Runde niksen und sammelst dabei frische Ideen für deinen Ausbildungsalltag.

Ein Artikel von

Frau mit schulterlangen, braunen, welligen Haaren, die lächelt und einen schwarzen Pullover mit Muster trägt. Hintergrund ist weiß.

Insa Wiese

Senior Partner- und Projektmanagerin