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Zwischen Polykrisen, KI und Change-Müdigkeit

Was Führung jetzt können muss!

Daueranspannung, KI-Revolution und Change-Müdigkeit: Die Arbeitswelt verändert sich radikal. Doch statt mit mehr Kontrolle und Prozessen zu reagieren, müssen Führungskräfte heute etwas völlig anderes bieten: psychologische Sicherheit, echtes Vertrauen und gelebte Kultur im Alltag. Dr. David Bausch zeigt, warum die Arbeitswelt, wie wir sie kannten, am Ende ist und was Führung jetzt wirklich leisten muss.

Willkommen im Zeitalter der Polykrisen

Die Arbeitswelt steht unter Daueranspannung. Krisen wechseln sich nicht mehr ab, vielmehr überlagen sie sich und verstärken sich wechselseitig. Pandemie, wirtschaftliche Unsicherheit, geopolitische Spannungen und die KI-Revolution wirken gleichzeitig auf Organisationen und Mitarbeitende ein. Viele Menschen erleben dadurch einen Zustand permanenter Veränderung, ohne wirklich zur Ruhe zu kommen.

Organisationen reagieren darauf häufig mit alten Mustern: mehr Kontrolle, mehr Abstimmung, mehr Meetings und mehr Prozesse. Vieles wird enger geführt und stärker abgesichert. Gleichzeitig stehen Führungskräfte selbst enorm unter Druck. Sie sollen Orientierung geben, Leistung sichern und Transformation ermöglichen. Genau daraus entsteht in vielen Unternehmen das, was heute zunehmend als Change-Müdigkeit beschrieben wird.

Warum sich die Rolle von Führung und die Bedeutung von Kultur grundlegend ändern

Früher reichte es oft aus, fachlich stark zu sein und Ergebnisse einzufordern. Heute braucht Führung deutlich mehr. In einer Arbeitswelt voller Unsicherheit reichen Kontrolle und Präsenzdenken nicht mehr aus. Mitarbeitende brauchen Orientierung, Vertrauen und psychologische Sicherheit. Sie wollen wissen, ob sie offen sprechen, Fehler zugeben oder andere Perspektiven einbringen dürfen. Doch das bedeutet auch, dass sich Führungskräfte Zeit für ihre primäre Aufgaben nehmen müssen: für Führung.

Aus dieser Aufgabe resultiert ein großer Einfluss auf die Unternehmenskultur einer jeden Organisation. Führung setzt den Rahmen, für das was kulturell möglich ist oder eben auch nicht.

Viele Organisationen sprechen über Werte wie Offenheit, Vertrauen oder Zusammenarbeit. Doch Kultur entsteht nicht auf PowerPoint-Folien oder in Leitbildern. Kultur entsteht durch das täglich erlebte Verhalten von Führungskräften und Teams. Wie wird mit Fehlern umgegangen? Wer wird in Meetings gehört? Wie reagieren Führungskräfte auf Überlastung? Genau diese kleinen Alltagssituationen prägen Kultur stärker als jede Kommunikationskampagne.

Wie wollen wir im KI-Zeitalter arbeiten

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Mit der KI-Revolution verändert sich zunehmend die Frage, was Leistung überhaupt bedeutet. Viele Organisationen verwechseln noch immer Leistung mit Beschäftigung. Wer ständig erreichbar ist, viele Meetings besucht oder besonders beschäftigt wirkt, gilt schnell als engagiert. Gleichzeitig entsteht dabei oft erstaunlich wenig echter Mehrwert.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur: „Wie viel arbeiten Menschen?“, sondern vielmehr: „Wie wirksam können Menschen arbeiten?“ Dafür braucht es eine andere Art von Führung. Führung muss heute stärker befähigen als kontrollieren. Sie muss Räume schaffen, in denen Lernen, Reflexion und ehrliche Kommunikation möglich werden. Vor allem aber braucht moderne Führung den Mut, selbst Verhalten vorzuleben und eigene blinde Flecken zu identifizieren und veraltete Glaubensätze abzulegen.

Denn Mitarbeitende orientieren sich nicht an Hochglanzfolien, sondern an dem, was sie täglich erleben. Ob Führungskräfte offen über Fehler sprechen. Ob Belastungen ernst genommen werden. Ob unterschiedliche Meinungen wirklich erwünscht sind. Kultureller Wandel beginnt deshalb selten in großen Strategieprojekten. Er beginnt im Alltag. In kleinen Gesprächen, ehrlichem Interesse und dem Mut, menschlich zu führen.

Das Ende der Arbeitswelt, wie wir sie kannten

Deshalb braucht die Arbeitswelt heute weniger perfekte Führung und mehr echte und authentische Menschen, die wirklich in Führung gehen wollen. Menschen die, Vertrauen und Orientierung geben. Und jene, die verstehen: Unternehmenskultur verändert sich nur über das Verhalten der Menschen, die sie täglich leben. Das ist ein zentraler Bestandteil der neuen Arbeitswelt – weitere und wieso die Arbeitswelt, wie wir sie kannten, endet, finden sich im Buch Das Ende der Arbeitswelt, wie wir sie kannten“.

Ein Artikel von

Dr. David Bausch

Systemischer Organisationsentwickler, Gründer und Geschäftsführer von Digi2place

Dr. David Bausch ist ein promovierter Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, dessen Forschungen als Schwerpunkt digitale Veränderungen von Arbeitsplätzen und die Zukunft der Arbeitswelt thematisieren. Er ist einer der führenden Experten für die digitale Stressbelastung in Deutschland. Parallel zu seinen Forschungen und Publikationen ist er stellv. Abteilungsdirektor in der Commerzbank AG und seit 2016 in unterschiedlichen HR-Funktonen tätig. Darüber hinaus gründete er 2020 Digi2place, eine Organisations-Beratung, die zu den Veränderungen der Arbeitswelt berät und für digitalen Stress sensibilisiert, ihn misst sowie analysiert und Maßnahmen entwickelt, wie die digitale Zusammenarbeit optimiert werden kann. Er ist ausgebildeter systemischer Organisationsberater und Mitglied in verschiedenen Expertennetzwerken (bspw. Akademie für mentale Gesundheit & Coaching Lions). Zudem ist er Mitglied im Beirat des Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalter. Abseits dieser Tätigkeiten lehrt Dr. David Bausch an der Hochschule Mainz in Bachelor- und Masterstudiengängen und ist regelmäßig als Keynote Speaker und Trainer aktiv.

Mehr Infos: https://www.digi2place.de