Neue Mitarbeiter:innen, insbesondere Azubis und Berufseinsteiger:innen, starten mit hoher Motivation, Neugier und Energie in einen neuen Job. Oft entstehen in der Stellenanzeige und im Vorstellungsgespräch klare Bilder: ein offenes Team, spannende Aufgaben, moderne Strukturen.
Herausforderung
Kluft zwischen Bewerbungsgespräch und Realität
Als Berufseinsteigerin habe ich selbst erlebt, wie groß die Kluft zwischen Bewerbungsgespräch und Realität sein kann. Im Auswahlprozess wurde ein herzliches und engagiertes Umfeld betont, in dem ich mich kreativ einbringen und entwickeln könnte. Tatsächlich traf ich jedoch auf starre Strukturen, andere Aufgabenfelder als besprochen und ein Arbeitsumfeld, das kaum zu mir passte. Für mich persönlich war das belastend und die anfängliche Vorfreude wich schnell Enttäuschung und Selbstzweifeln. Für das Unternehmen bedeutete es, dass Potenziale ungenutzt blieben und den Verlust einer hoch motivierten Mitarbeiterin.
Diese Erfahrung ist kein Einzelfall. Mehrere Befragungen zeigen, dass rund die Hälfte aller Arbeitnehmer:innen so etwas bereits erlebt hat. (Quellen: Haufe, HR Drive) Besonders die Generation Z ist betroffen: 73 Prozent gaben an, ihren Job aufgegeben zu haben, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. ThriveMap (ein Londoner Unternehmen für Eignungstests vor der Einstellung) erklärte, dass angesichts des jüngsten Berufseinstiegs dieser Generation die Diskrepanz zwischen den Versprechungen im Vorstellungsgespräch und den tatsächlichen Anforderungen der Stelle ein Grund für die Enttäuschung sein könnte. (Quelle: HR Drive)
Aber wie lässt sich dieses Problem lösen? Dazu habe ich fünf Tipps hier zusammengestellt:
Ehrlichkeit und Erwartungen kommunizieren
Klingt einfach, ist aber nicht selbstverständlich. Ein generisches Anschreiben mit möglichst vielen Buzzwords hilft niemandem. Besser sollten Sie sich wirklich mit den Anforderungen, der Unternehmenskultur und den tatsächlichen Erwartungen beschäftigen und diese kommunizieren.
Onboarding stärken
Ein Job bringt gerade beim Berufseinstieg viel Neues mit sich. Umso wichtiger ist es, neue Mitarbeiter:innen an die Hand zu nehmen. Organisieren Sie das Onboarding zentral in Ihrem Unternehmen, planen Sie regelmäßige Feedbackgespräche ein und stellen Sie Pat:innen bzw. Mentor:innen bereit. Weitere Ideen und Checklisten finden Sie unter anderem hier: Personio, Stepstone, Absolventa.
Mit der Zeit gehen
Die Arbeitswelt ist in einem grundlegenden Umbruch und besonders Berufseinsteiger:innen und Azubis bringen teils neue Wünsche und Anforderungen mit. Arbeitgeber:innen, die am Puls der Zeit sind, New Work, Weiterbildung und Sinnhaftigkeit leben, sind daher besonders gefragt. Seien Sie offen für die Wünsche Ihrer Mitarbeiter:innen, hören Sie zu und entfernen Sie sich von „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Neues kann auch eine Chance sein!
Vertrauen entgegenbringen
Nichts dämpft Motivation auf Dauer mehr, als sich Vertrauen erkämpfen zu müssen. Beginnen Sie direkt im Recruiting und Auswahlprozess damit, ein vertrauensvolles Verhältnis auf Augenhöhe zu schaffen. Es ist eine langfristige Investition in eine:n zufriedene:n Mitarbeiter:in.
Wirklich offen für neue Leute sein
Eine neue Stelle ist nicht selten mit dem Verlust eines anderen Mitarbeiters verbunden – aus verschiedenen Gründen. Der:die neue Mitarbeiter:in kann dafür aber nichts. Nehmen Sie neue Teammitglieder mit, zeigen Sie ehrliches Interesse und lassen Sie sie erste eigene Erfolge feiern, ohne sie zu sehr mit Vorgänger:innen zu vergleichen. Unterschiedliche Hintergründe, Erfahrungen und Generationen bereichern Teams.
Bonus-Tipp
Realistic Job Preview
Ein Probetag ist ein echter Quick Win. Nachwuchskräfte bekommen einen realistischen Einblick in Aufgaben, Team und Alltag. Arbeitgeber:innen sehen sofort, wie gut die Person ins Team passt. Wichtig: Klarer Ablauf, offene Erwartungen und ein kurzes Feedback am Ende.
Fazit: Motivation sichern und Fluktuation reduzieren
Ein offenes, transparentes und wertschätzendes Bewerbungsverfahren lohnt sich für alle: Es reduziert Frust, Frühfluktuation und Reibungsverluste und stärkt gleichzeitig die Arbeitgebermarke. Wer Erwartungen realistisch kommuniziert, neue Teammitglieder gut einführt und auf Augenhöhe vertraut, legt den Grundstein für motivierte, engagierte Mitarbeiter:innen, die bleiben und ihr Potenzial entfalten können.
Ein Artikel von
Giulia Neumeyer
Giulia Neumeyer ist Kommunikationsmanagerin beim MedienNetzwerk Bayern. Zuvor sammelte sie Erfahrungen im Verlagswesen und arbeitet als freie Journalistin.
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