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SIM-Puls Stressbewältigung

Hands‑on Tipps für eine schnelle Umsetzung im Ausbildungs- und Lehralltag
 

Mit dem Format SIM-Puls bieten wir ein Round Table-Format an, in dem Bedürfnisse aus der Branche diskutiert und gemeinsam bearbeitet werden dürfen. Diesmal ging es um Maßnahmen für eine schnelle Stressbewältigung.

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Resilienz heißt nicht, stärker zu werden. Resilienz heißt, früher gut für sich zu sorgen – damit man präsent bleiben kann, ohne auszubrennen.

Isabel Ritter Beraterin, bbw gGmbH

Stress wird nicht im Kopf gelöst: Stress ist keine Denkstörung, sondern eine biologische Körperreaktion, die dein Nervensystem in den Alarmmodus versetzt. Wenn du gestresst bist, schränkt das dein rationales Denken ein. Die goldene Regel lautet daher: Erst regulieren, dann reagieren! Erst wenn dein Nervensystem beruhigt ist, kannst du wieder klar und professionell handeln.

Resilienz beginnt bei Gelb, nicht bei Rot: Warte nicht, bis bei deiner Stress-Ampel gar nichts mehr geht (Rot). Entscheidend ist die gelbe Phase – deine persönlichen Frühwarnsignale wie Gereiztheit, innere Unruhe oder Zynismus. Wer lernt, sich bei „Gelb“ selbst zu ertappen, kann rechtzeitig gegensteuern.

Kleine Maßnahmen, große Wirkung: Resilienz ist erlernbar, alltagsnah und situationsabhängig. Sie erfordert keinen Jahresurlaub, sondern funktioniert über kleinste Mikroroutinen im laufenden Betrieb.

Der Alltag in der beruflichen Bildung und Lehre fordert dich täglich auf mehreren Ebenen gleichzeitig: fachlich (individuelle Förderung, Prüfungen), organisatorisch (Zeitdruck, Dokumentation) und vor allem emotional (Mentoring, Konfliktlösung). In deinen Rollen als Lehrkraft, Coach und Admin trägst du extrem viel Verantwortung – und hast oft viel zu wenig Puffer.

Genau hier setzt Resilienz an. Belastung in der Ausbildung ist kein vorübergehender Ausnahmezustand, sondern Realität und Dauerzustand. Wer hier ständig auf Reserve fährt, verliert langfristig seine professionelle Handlungsfähigkeit. Resilienz ist daher kein „Nice-to-have“ oder bloßes „positives Denken“, sondern eine professionelle Kernkompetenz, um deine eigene Arbeitsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Sie bedeutet nicht, alles stillschweigend auszuhalten, sondern Belastung früh wahrzunehmen und aktiv zu regulieren.

Wer dauerhaft für andere da sein möchte, wer präsent sein und auch hilfsbereit sein möchte, der muss auch erstmal für sich selbst da sein. Und zwar rechtzeitig.

Isabel Ritter Beraterin, bbw gGmbH

Die 4-6-Atemtechnik

4 Sekunden lang bewusst einatmen, 6 Sekunden lang ausatmen. Beruhigt das Nervensystem in unter zwei Minuten.
Einsatzort: Vor der Einheit. Nutze eine Minute, um kurz anzukommen, statt in den Raum zu hetzen.

Der Körperanker

Die Schultern bewusst fallen lassen und die Füße ganz fest in den Boden drücken. Signalisiert dem Körper: „Du bist sicher.“
Einsatzort: Bei Eskalationen. Nutze den Anker bei Konflikten, um selbst ruhig zu bleiben und klar zu führen.

Der Gedankenstopp

Kurz aufschreiben oder fokussieren: „Was ist jetzt wirklich wichtig?“
Einsatzort: Nach dem Tag / im Chaos. Prioritäten klären und das Gedankenkarussell gezielt stoppen.

Erst regulieren. Dann reagieren. Und erst wenn das Nervensystem beruhigt ist, können wir wieder professionell und logisch handeln.

Isabel Ritter Beraterin, bbw gGmbH

  • Sinneskanaldusche

    Für jeweils 30 - 60 Sekunden alle Sinne durchgehen und darauf fokussieren. Sensorische Körperaktivitäten suchen: Was sehe ich? Was höre ich? Was rieche ich? Was schmecke ich? Was fühle ich? Wie fühlt sich meine Bewegung gerade an?

  • Unterstützung anbieten

    Einen gemeinsamen Spaziergang um den Block anbieten. Vermitteln, dass sich die Person ihrer selbst bewusst werden und realistische Ziele setzen muss. 
    Hauptsache man holt die Person erst mal aus der Stresssituation heraus, sodass sie das Gehirn resetten kann.

  • Quick Fixes

    Ganz laut schreien - zur Not in ein Kissen!

    Summen oder Singen.

    Joggen oder spazieren gehen - gerne auch mit Podcast oder Hörbuch auf den Ohren.

    An die nächste Sportübung denken, die man gerne mal ausprobieren möchte.

    Sich belohnen.

    Grenzen setzen.

    Kaffee stehend am Fenster trinken.

    Akzeptieren, dass es auch mal zu viel ist.

Resilienz ist kein starres Ziel, das man irgendwann erreicht – sie ist ein Weg, den man täglich geht. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in theoretischen Plänen für „mehr Entspannung“, sondern in einer einzigen, glasklaren und winzigen Handlung.

Nimm dir für deinen nächsten Arbeitstag konkret vor:

„Wenn ich merke, dass meine Stress-Ampel auf Gelb springt, mache ich sofort 3 bewusste, lange Atemzüge.“

Beginne morgen mit diesem ersten Schritt. Achte auf deine Frühwarnsignale, schaffe dir kleine Oasen der Regulation und bewahre dir so Schritt für Schritt deine Kraft und Freude an der Arbeit mit den Auszubildenden.

Nehmen wir diese Maßnahmen als Inspiration, nicht als starre Regeln. Resilienz darf im Berufsalltag kein weiterer Punkt auf der Effizienz-Liste werden. Wenn aus Selbstfürsorge ein Zwang wird, verkrampfen wir – genau wie das Kind, dem das Geigenspiel zur Last wird, weil der Druck zu groß ist.

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Isabel Ritter

Beraterin, bbw gGmbH