Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Webinars: Warten Sie nicht bis zum 1. September. Die Phase des Preboardings entscheidet oft darüber, ob Azubis hochmotiviert starten oder noch vor Beginn abspringen.
- Kleine Gesten, große Wirkung: Ein Welcome-Package muss nicht teuer sein. Neben Goodies, wie Kugelschreibern mit dem eigneen Namen eine schöne Idee aus dem Vortrag: Ein Tütchen mit Blumensamen verschicken. Die Botschaft: „Wir wachsen gemeinsam.“ Im Sommer können die Azubis die Pflanzen dann beim Wachsen pflegen.
- Eltern und Umfeld ins Boot holen: Informationsveranstaltungen, zu denen Eltern oder Partner eingeladen werden, schaffen Vertrauen und machen die Angehörigen zu Markenbotschaftern des Unternehmens.
Statt Azubis am ersten Tag nur mit bürokratischen Hürden zu konfrontieren, sollte das emotionale Ankommen im Vordergrund stehen.
- Wertschätzung von oben: Eine Begrüßung durch die Geschäftsführung vermittelt sofort: „Du bist uns wichtig.“
- Wertearbeit statt nur Regelwerk: Statt trockener Verhaltensregeln empfiehlt Melanie Schaal interaktive Formate wie einen Wertebaum oder einen Werteparcours. Was bedeutet uns Teamarbeit? Wie gehen wir mit Fehlern um? Das wird gemeinsam erarbeitet.
- Gamification: Eine Haus-Rallye hilft, Hemmungen abzubauen. Aufgaben wie „Finde den Raum, der wie ein Filmtitel heißt“ oder „Lass dir von einem Kollegen den Drucker erklären“ fördern die Vernetzung im Haus spielerisch.
Onboarding ist keine Einbahnstraße. Formate, die das Selbstvertrauen stärken, bleiben in Erinnerung.
- Der „Warme Regen“: Eine Methode für Kennenlernfahrten oder Workshops, bei der Azubis positive Eigenschaften übereinander aufschreiben und sich gegenseitig vorlesen. Das stärkt die Gruppe enorm.
- Reverse Mentoring: Auch die „Alten“ können lernen. Azubis bringen oft digitales Know-how (z. B. Social Media, KI) mit, das sie an erfahrene Kolleg:innen weitergeben können. Das schafft Augenhöhe.
Das Webinar lebte nicht nur vom Vortrag, sondern auch vom Austausch der Teilnehmer:innen. Hier einige Impulse aus der Runde:
- Paten-Systeme: Erfahrene Azubis (Buddys) helfen den Neuen beim Einstieg – das senkt die Hemmschwelle bei Fragen.
- Generationen-Verständnis: Ein wichtiges Thema war der Umgang mit Gen Z und Gen Alpha. Der Konsens: „Das haben wir immer so gemacht“ funktioniert nicht mehr. Es braucht gegenseitiges Verständnis und Workshops, um Ausbilder:innen und neue Generationen zusammenzubringen.
- Gemeinsame Events: Ob Pizza-Essen am ersten Tag oder ein Azubi-Stammtisch in der Kneipe: informelle Treffen sind der Klebstoff für das Teamgefühl.
Melanie Schaal machte zum Abschluss deutlich: Zeit- und Budgetangaben sind relativ. Vieles lässt sich skalieren. Wichtig ist, dass Onboarding als Prozess verstanden wird, der nicht nach der ersten Woche endet, sondern durch regelmäßige Feedbackgespräche (z. B. Kompassgespräche) und Karriereperspektiven fortgeführt wird.
Ein herzliches Dankeschön an Melanie Schaal für die wertvollen Impulse und an alle Teilnehmer:innen für den offenen Austausch!
Referentin
Melanie Schaal, Initiatorin der Plattform wirAUSBILDER, gibt in einem kurzen Impuls Einblicke in Ideen, Formate und Rituale, die sie aus ihrem Netzwerk gesammelt hat, und die sich leicht im Alltag umsetzen lassen. Danach öffnen wir den Raum für Austausch: Was funktioniert? Wo hakt es? Was braucht es, damit sich alle gut ins Team einfinden können. Egal, ob Berufsstart oder Ausbildungswechsel?
Melanie Schaal
Themen- und Community-Koordinatorin berufliche Aus- und Weiterbildung | wirAUSBILDER