Berufsorientierung an Realschulen

Am 07. Juli 2022 diskutierten wir Online über die Möglichkeiten der Vermittlung von Ausbildungs- und Berufs­perspektiven im Medienbereich an bayerischen Realschulen.

Schülerinnen

Wie lassen sich Betriebspraktika besser in den Lehrplan integrieren? Wie können Praktika für Schüler:innen attraktiver gestaltet und beworben werden? Wie lässt sich ein Alumni-Tag umsetzen, der diese Perspektiven schafft?

Diese und weitere Fragen – vor allem in Bezug auf den Einstieg in die Medienausbildung – stellten sich beim Round Table am 07. Juli 2022

Round Table Review

Am 07. Juli lud Start Into Media Lehrer:innen bayerischer Gymnasien ein, um über Herausforderungen, die Umsetzung von Betriebspraktika und Berufsvorbereitung zu sprechen.

Ergebnisse

Ist-Zustand

Die Berufsorientierung an staatlichen Realschulen in Bayern findet nach festgelegten Standard-Modulen statt: Dazu gehören die Zusammenarbeit mit externen Partner:innen und Firmen, die das Bewerbungstraining u.ä. übernehmen, das Kennenlernen von diversen Berufsfeldern über Praktika und Berufsberater:innen, die die Schulen regelmäßig besuchen. Zudem gibt es seit zwei Jahren die Stelle “Koordinator:in für berufliche Orientierung” (kurz: KBO), in der die Lehrkraft als feste:r Ansprechpartner:in für Berufsorientierung fungiert.

Auch Besuche auf Berufs- und Ausbildungsmessen gehören zum Alltag der Berufsberatung. Der Erfahrung der Lehrer:innen zufolge ist besonders das Anfassen und Selbst-Machen auf Messen sehr erfolgreich, um Schüler:innen zu begeistern. Außerdem seien große Messen mit einem diversen Angebot aus allen Branchen besser als kleinere, spezialisierte Messen, da so für alle Schüler:innen etwas dabei ist. Attraktiv sind besonders Angebote von regionalen Ausbildungsunternehmen.

Für alle Lehrer:innen galt aber das persönliche Gespräch sowie der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Lehrer:innen als eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufsorientierung. Auch wurden schon ab der 7. Klasse Betriebsführungen mit Schüler:innen durchgeführt. Hierbei stellten die Lehrer:innen fest, dass es sehr sinnvoll sein kann, die Schüler:innen schon früh in die Berufsorientierung einzubinden, da sie besonders in diesem Alter noch offen für alle Möglichkeiten sind.

Eine große Herausforderung stellt die Informationsflut von Unternehmen und potenziellen Ausbilder:innen oder Arbeitgeber:innen dar, unter anderem weil das Infomaterial von Unternehmen häufig wenig Mehrwert für die Schüler:innen bietet. Die Angebote der Unternehmen müssen von den Lehrer:innen meist rigoros sortiert und gefiltert werden, bevor sie an die Schüler:innen weitergeleitet werden können. Im Rahmen von Digitalisierungs-Bemühungen werden zunehmend Datenbanken für die Angebote angelegt, um die Flut der Informationen zu filtern und die besten Angebote für Schüler:innen herauszusuchen.

Allgemein sei in der Berufsorientierung auch das Angebot und die Möglichkeiten in der Medienbranche sehr ausbaufähig.

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Welche Informationsangebote sind nötig?

Zentral für eine erfolgreiche Berufsorientierung ist eine ganz klare Konkretisierung von Informationen, in Bezug auf die Art der Praktikumsplätze oder die Zeiträume und auch der Ansprechpartner:innen.

Auch der Besuch von Unternehmen an Schulen, die dort Bewerbungstraining (z.B. live Bewerbungsgespräche) durchführen, ist eine gute Maßnahme, da die Schüler:innen so produktives Feedback von Expert:innen vermittelt bekommen, was besser angenommen wird als das der Lehrer:innen.

Die Erlebnisberichte von Azubis aus ihrem Ausbildungs- und Arbeitsalltag kommen bei den Schüler:innen gut an, da die Azubis nah an dem Alter der Schüler:innen sind und so deren Sprache sprechen.

Allgemein sei in der Berufsorientierung eine bessere Struktur vonnöten: die Lehrer:innen stellten fest, dass es schwierig für sie sei von außen alle Stärken und Schwächen der Schüler:innen zu erkennen. Dies sei aber für die Passgenauigkeit der Berufsorientierung ein essenzieller Aspekt. Wichtig für eine gelungene Stärken- und Schwächenanalyse sind zum einen, dass sie die Aufmerksamkeit der Schüler:innen hält, und zum anderen, dass sie mit einer professionellen Auswertung (z.B. von Expert:innen von der Agentur für Arbeit) verbunden ist. Sonst seien die Ergebnisse nicht einschlägig genug und die Analyse nicht von Erfolg gekrönt.

Ein Vorschlag aus dem Plenum war zudem die Hilfe zur Selbsthilfe. Es sei wesentlich hilfreicher für die Schüler:innen, mit einer Anleitung nach einfachem Konzept zu arbeiten und sich selbst zu informieren, als vorgefertigte Informationen zu bekommen. In diesem Kontext ist auch die Aufklärung der Eltern wichtig, damit diese ihre Kinder angemessen unterstützen können.

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Information und Austausch

Unternehmen und Firmen kommen auf die Fach- und Berufsoberschulen zu und bieten Informationen zu ihrem Berufs- und Ausbildungsangebot an. Auch durch die fachpraktische Ausbildung und die enge Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit besteht intensiver Kontakt zu potenziellen Arbeitgeber:innen.

Es gibt sehr viel Informationsangebote für die Schulen, allerdings fehlt es den Lehrer:innen häufig an Zeit in ihrem Berufsalltag, um diesen Fluss an Informationen zu sortieren und priorisieren.

Auch regelmäßiger Kontakt zu den Hochschulen besteht. Allerdings präsentieren diese meist nur ihr Studienangebot, was den Schüler:innen keinen Mehrwert im Gegensatz zu einer Internetrecherche bietet.

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Alumni Tag an Schulen

Die Idee eines Alumni-Tags wird grundsätzlich begrüßt, allerdings stellt sich an der Realschule das Problem der Erreichbarkeit von Alumni, da deren Werdegang nach dem Abschluss meist schwer nachzuverfolgen ist und so die Kontaktaufnahme schwierig sei.

Allerdings ist es nicht unbedingt notwendig, dass die Alumni tatsächlich von der Schule selbst kommen, wichtiger wäre, dass es sich um qualifizierte, interessante und junge Menschen aus Unternehmen in der Region handelt. Wichtig hierzu zu erwähnen ist auch, dass die Alumni in der Lage sein müssen, ihren Beruf gut zu präsentieren. Daher müssen sie gut vorbereitet sein und eventuell vorher geschult werden.

Allgemein schätzen die Lehrer:innen ihre jeweiligen Schulleitungen als offen für das Konzept eines Alumni-Tages ein, da es ohnehin als Problem angesehen wird, dass die Schüler:innen ein größeres Interesse an einem höheren Bildungsweg an der Fachoberschule zu haben scheinen, als an Ausbildungsberufen.

Eine Überlegung war, diesen Tag in die achte Klasse zu legen, da die neunten Klassen sehr ausgelastet seien durch Prüfungsvorbereitungen. Auch fünfte und sechste Klassen eignen sich dafür super, weil man Schüler:innen im Hinblick auf die Wahlpflichtfächer Perspektiven zeigt. Die Realität sieht nämlich vor, dass die Eltern vor allem über die Wahlpflichtfächer der Kinder entscheiden.

Der beste Zeitpunkt für diese Veranstaltung wurde einstimmig zum Halbjahreswechsel geäußert (nach der Vergabe der Zwischenzeugnisse).

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